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Bei Wind und Wetter raus?!

  • ehansen-olpe
  • 2. Dez. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Jetzt ist der Winter da – ich freue mich! Schneeknistern, Kaminfeuer, Spekulatiusduft, Glühwein, aber leider auch Kälte, Nässe und Matsche. Und letzteres führt häufig dazu, dass die wöchentlichen Waldtage in der Kita ausfallen. Aber muss das eigentlich sein?

Mein Sohn möchte jeden Morgen einen Umweg zur Kita laufen, oben durch den Wald und erst dann runter ins Dorf zum Kindergarten. Also rein in die Matsche-Schneebekleidung, Kapuze auf und los geht’s: Er hüpft in alle Pfützen, versucht Regentropfen mit dem Mund zu fangen, saust mit seinem Laufrad durch den Matsch und lacht sich kaputt über die Schlammspritzer: „Hast du auch was abbekommen, Mama?“. Bei knisterkaltem Wetter eingemummelt mit Schal, Mütze und Handschuhen schaut er nach, ob die Ameisen sich aus ihrem Hügel trauen, zerbröselt die gefrorenen Blätter mit den Händen und kratzt Bilder in den Schnee. Und dann kommen wir mit knallroten Wangen, Ohren und Nasen an der Kita an und sind erfüllt mit lustigen und spannenden kleinen Erlebnissen – Mikroabenteuern wie man heutzutage wohl sagen würde.


Den Kindern scheinen Kälte und Nässe also nicht allzu viel auszumachen, wenn sie warm und trocken eingekleidet sind. Und beschäftigen können sie sich zu dieser Jahreszeit draußen offensichtlich genauso gut. Aber wir Erwachsene haben dennoch oft Vorbehalte, weil wir uns sorgen, dass die Kinder frieren und dann krank werden könnten und weil wir selber nicht nass werden möchten. Und diese Sorgen betreffen nicht nur die Fachkräfte, sondern vor allem auch die Eltern. So sehr sie Waldausflüge bei gutem Wetter auch begrüßen, so groß sind doch die Bedenken, wenn es um Schlechtwettertage geht. Da hilft nur den Eltern mit Verständnis zu begegnen, ihre Ängste wahrzunehmen und Lösungen aufzuzeigen. Auch manche Kinder – insbesondere die älteren – werden ihre Vorbehalte haben, weil sie es nicht kennen bei diesen Witterungen draußen zu sein oder sich nicht schmutzig machen wollen. Aber umso wichtiger ist es für diese Kinder auch bei schlechten Bedingungen Zeit draußen zu verbringen und das als positiv zu erleben.


Aber warum sollten wir uns den Stress antun? Widerstände von Eltern, teilweise Kindern und sogar KollegInnen… Ganz einfach, weil echte Naturerfahrungen und ausgeprägtes Verständnis für unsere Umwelt nur dann entstehen, wenn wir diese im Jahresverlauf erleben. Mal ganz abgesehen davon, dass der Lernraum Natur das breiteste Spektrum an motorischen Erfahrungen bietet und frische, kalte Luft unglaublich gesund ist. Auch die gegenseitige Ansteckung in der Erkältungszeit ist draußen deutlich reduziert und die Abwehrkräfte der Kinder werden gestärkt.


All das gilt übrigens auch für die Fachkräfte, welche ganz nebenbei die Ruhe immer sehr zu schätzen wissen und noch etwas für Ihre Augengesundheit tun. Kleiner Bonus am Rande: Frische Luft und Bewegung haben einen Anti-Aging-Effekt auf unseren Körper, weil der oxidative Stress reduziert wird - na, wenn das mal kein Argument ist ;-)


In verschiedenen Interviews mit Leitungen von Waldkindergärten berichten diese, dass sie ihre Schutzräume wie Waldhütte, Bauwagen oder Tipi nur bei Extremwetterlagen zeitweise aufsuchen. Also zum Beispiel bei Sturm, Gewitter oder Temperaturen deutlich unter 0 Grad Celsius. Und dabei halten sich diese Kinder täglich um die fünf Stunden draußen auf. Es wird bei Regen der Morgenkreis gemacht, im Schnee gefrühstückt und bei Eiseskälte getobt. Angepasst an die Temperaturen und Wetterlagen wurden die Aktivitäten, d.h. die Kinder werden bei starker Kälte stärker animiert etwas Bewegungsfreudiges zu machen.


Also, wenn die Waldkinder bei jedem Wetter den ganzen Vormittag draußen sein können, dann schafft man es doch ganz sicher auch einmal wöchentlich für ein paar Stunden oder eine Woche pro Quartal, oder?!


Zum Weiterlesen bzw. -schauen:

 

 
 
 

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